Projektarbeit für die Abschlussprüfung zur Studiosprecherin
an der Deutschen POP Frankfurt bei Sandra Lühr (September 2021)
Beschreibung der Aufgabe
Die vorliegende Dokumentation skizziert am Beispiel von drei ausgewählten Hörspielen meine Lernerfolge in der Ausbildung zur Studiosprecherin an der Deutschen Pop Frankfurt bei Sandra Lühr. Dabei soll auf die Auswahl, die Charaktere, die zu bewältigenden Herausforderungen kurz eingegangenen werden. Die Gegenüberstellung, Hörspiel und Hörbuch, wird mit dem eigenen Erkenntnisgewinn verknüpft. Im Fazit wird die Frage nach dem Stand der Ausbildung gestellt.
Vom Hörbuch zum Hörspiel –
persönliche Entwicklung in Verständnis und Darstellung
Beim Einsprechen der verschiedenen Hörbücher, musste ich mich zuerst vom Vorlese-Modus weg entwickeln hin zu …, ja, zu was eigentlich? Erzähl-Modus, trifft es auch nicht wirklich. Ich habe noch kein passendes Wort dafür, aber eine Vorstellung davon bekommen: Es ist wie, als wenn man jemandem einladend die Hand reicht, um mitzukommen: Einzutauchen in das Phantasiegebilde des Autors, in die Gefühlswelt der Protagonisten, in den Zauber der Beschreibungen. Die große Kunst dabei ist, gerade so viel Emotion in die Stimme zu legen, dass die Zuhörerinnen und Zuhörer fasziniert folgen, aber zugleich emotional so feindosiert zu sprechen, dass die Fantasie der Zuhörenden angeregt wird und sich ihre Vorstellungskraft und emotionale Welt aufgrund der Literatur und der gesprochenen Stimmfarben entwickelt. Fast jeden Abend übe ich diesen Anspruch. Es gibt Momente, da denke ich, es gelingt. Ich hoffe, es werden immer mehr.
Im Hörspiel erzählt sich die Geschichte vor allem über den Dialog. Ganz besonders, wenn es keinen Erzähler gibt. Nun ging es darum, den Text mit den entsprechenden Emotionen direkter zu vermitteln. Dafür ist es nötig, eine Vorstellung von der Person zu bekommen: Wie atmet sie? Wie spricht sie? Wie reagiert sie auf andere? Mimik, Gestik, Kleidung, wie hält sie sich (Körperhaltungen, Bewegungsmuster)? Wo findet die Szene statt? Gleichzeitig musste man aber auch auf seine Partnerinnen und Partner eingehen, auf sie reagieren und sich ihren Vorstellungen annähern. Das gemeinsame Üben hat dabei sehr geholfen, vor allem, wenn wir auch die Rollen gewechselt haben. Obwohl wir immer nur kleine Auszüge eingesprochen haben, war es wichtig, die ganze Geschichte zu kennen. Manchmal dachte ich, ich hätte eine Person entwickelt und wurde von der Regie eines Besseren belehrt. Es galt dann, noch mehr aus sich herauszugehen, konkreter zu werden oder alles umzuschmeißen. Dies erforderte Mut, Konzentration, Spontanität und Lust an der Darstellung. All dies habe ich trainiert und größere Sicherheit erlangt, habe hier aber noch viel zu lernen. Im Hörspiel konnten wir freier agieren: den Text leicht verändern, Fülllaute einfügen, dazwischen sprechen, verschiedene Stimmen ausprobieren. Es dauerte eine Zeitlang bis mir klar wurde, dass wir diese Freiheit haben und bis ich mich auch traute, sie zu nutzen. Wenn ich die Unterschiede zwischen Hörbuch und Hörspiel mit nur einem Wort ausdrücken müsste, würde ich dem Hörbuch das Wort Einladung und dem Hörspiel Begegnung zuordnen.
Begründung der Hörspielauswahl
Als Kind war ich jeden Sonntag bei meinen Großeltern. So gegen 17:00 Uhr saßen also neun Enkelkinder (auf dem Boden) zwei Tanten und Onkel, meine Eltern und natürlich meine Großeltern um den alten, großen Schwarz-Weiß- Fernseher, der immer leicht flimmerte, in einem winzigen Wohnzimmer und schauten die Augsburger Puppenkiste. Für ein Mädchen aus Bayern – eine Bildungsgrundlage! Schon damals gehörte die Hexe Zukuruku ob ihrer Unangreifbarkeit und Unabhängigkeit zu meinen Lieblingsfiguren. Jetzt wollte ich unbedingt diese Stimmfarbe und das Gelächter ausprobieren. Das Formal-Huhn ist herrlich absurd. Ich mag das Tempo, die Dynamik, die Ideen und den Wortwitz. Ausdrücke wie die Bezahlung erfolgt mit schuldenbefreiender Wirkung empfinde ich als urkomisch. Grün ist mein erstes selbst geschriebenes Hörspiel. (Ich hoffe, es folgen noch weitere – Ideen gibt es). Ich wollte in einer scheinbar völlig harmlosen Alltagssituation aus dem Dialog heraus eine apokalyptische, bedrohliche, Situation erschaffen.
Unterschiedlichkeit der Rollen mit Ihren Herausforderungen
Rollenhintergrund:
| Hexe Zukuruku | Julia (Jul) | Reporterin |
| 70 bis 85 Jahre alt | ca 20 Jahre alt | 40 bis 50 Jahre |
| Phantasiegestalt | Mögliche reale Person | Mögliche reale Person |
| wird aufgesucht, um Rat zu erhalten | Ist mit ihrer besten Freundin verabredet | Trifft auf fremde Personen |
| Ist bei sich zu Hause (Höhle)(hält Hof) | an einem vertrauten öffentlichen Ort, Café | Wechselt die Örtlichkeit, erst Straße, dann Laden, beides unbekannt |
Charaktereigenschaften und Handlungshintergrund:
| Hexe Zukuruku | Julia (Jul) | Reporterin |
| Genießt ihre Macht als gefürchtete Wahrsagerin | Fühlt sich machtlos und ausgeliefert und ist völlig durcheinander | Tritt selbstbewusst auf, steht fest im Leben, ist beruflich erfolgreich |
| Dominiert das Geschehen | Ist hilfesuchend und haltlos, völlig verunsichert, versteht nicht, was passiert ist. | Ist auf der Suche nach etwas Neuem und vom Alten gelangweilt und etwas sprunghaft |
| Ist stark und klar | Ist körperlich lädiert (starke Kopfschmerzen , Übelkeit) | Etwas konfus in ihrer Suche, Hört auf Ratschläge u. ist kompromissbereit. |
| Ist amüsiert und genießt die Aufmerksamkeit | Hat furchtbare Angst | Bleibt souverän und sagt ihre Meinung |
| Hat bereits viel erlebt, lässt sich von niemandem etwas sagen , hilft aber denen, die fragen | Nettes hilfsbereites Mädchen , das ihren Platz noch nicht richtig gefunden hat | Ist offen für ihre Mitmenschen und für neue Situationen |
Stimmliche Herausforderung:
| Hexe Zukuruku | Julia (Jul) | Reporterin |
| Amüsiertes, fieses, überhebliches Gelächter | Die Schmerzen und die Übelkeit in die Stimme zu bringen | Die schnellen feinen emotionalen Wechsel |
| von gelangweilt bis freundlich | ||
| Hohe sehr resonanzreiche Stimme mit ihren langgezogenen Vokalen | Die unterdrückte Panik bis zur offenen Angst, glaubwürdig schluchzen | In diese Person zu schlüpfen gelang mir erst nach mehrmaligem Rollentausch |
| Trotz lang gezogener Vokale und hoher Stimme deutlich artikulieren | Wechsel zwischen Normalität und emotionalem Zustand | Die Situation und die Rolle ernst nehmen |
| Das Zungen-R | Das Gefühl für das Maß finden. | Der Wechsel zwischen ß und 2 x stimmhaftem s |
Verbesserung:
| Hexe Zukuruku | Julia (Jul) | Reporterin |
| Wort Mut war undeutlich, Kontrolle über R | Todesangst am Schluss noch deutlicher | Sauberes ß |
Vertonung
Bis auf wenige Ausnahmen konnte ich alle Töne und Geräusche selbst aufnehmen. Dabei habe ich vor allem Instrumente verwendet. Der Klang der Ladenglocke im Formal Huhn z.B. wird auf zwei Klangbausteinen erzeugt. Auch die Anfangsmusik von Grün und Hexe ist live eingespielt. Bei der Hexe als Kinderhörspiel hatte ich den Ehrgeiz, Instrumente zu verwenden, die Kinder im Anfangsunterricht (Musikalische Früherziehung) erlernen. Bei Grün habe ich hauptsächlich einen Flügel verwendet. Sogar die Tasse wird über den Flügeldeckel geschoben.
Fazit
Wenn ich die Aufnahmen für den Sprecher – Studiosprecher vergleiche, höre ich wie viel ich gelernt habe. Meine Stimme hat vor allem an Sicherheit, Ausdruckskraft und Überzeugung gewonnen. Auch das bayerische R hat sich verbessert. Trotzdem habe ich noch einen langen Weg vor mir: falsche Betonungen, unsauberes S, mein trockener Mund, noch mehr Kontrolle über das R gewinnen. Einige Konsonanten-Verbindungen fallen mir sehr schwer z.B. r-l oder r-ch. (Das Wort Furcht lernt mich wirklich das Fürchten!) Das A ist zu dunkel. Ich bin auf der Suche nach einer/m Lehrer*in, da ich den bayrischen Akzent alleine wohl nicht in den Griff bekommen werde. Aber es gibt auch tolle Erfolge, denn ich hatte zwei Engagements: In einem musikalischen Märchen übernahm ich die Rolle der Märchenerzählerin und in der Langen Nacht im Deutschlandfunk Kultur im Hörspiel, das Geheimnis der Sterntageüber des Ijon Tichy war ich eine der Sprecherinnen. (Ausgestrahlt am 4. u. 5. September 2021)
| Hexe Zukuruku – Augsburer Puppenkiste | |
| Text: | Folge: Gut gebrüllt Löwe von Max Kruse; Szene: Das Gespenst; ISBN: 3-89844-117-2 |
| Musik: | nach der Originalmusik der Augsburger Puppenkiste, Bearbeitung: Sabine Kalmer |
| Geräusche: | Sabine Kalmer |
| Bild: | https://www.stars-an-faeden.de/apkchronik/bildprod/1967lo12.jpg |
| Grün | |
| Text: | Sabine Kalmer |
| Musik: | Sascha Wild |
| Geräusche: | Sabine Kalmer/Apple-Loops/Sounds aus Garage-Band |
| Bild: | Hellgruen_950.jpg (950×713) (art-trade.de) |
| Format Huhn | |
| Text: | Eugen Egner, Regie Annette Kurth WDR 2017 Kann man Mädchen aus Morsezeichen machen? https://www.ardaudiothek.de |
| Musik: | Apple-Loops/Sounds aus Garage-Band |
| Geräusche: | Sabine Kalmer/Apple-Loops/Sounds aus Garage-Band |
| Bild: | https://iwofr.org/de/polnische-h%C3%BChner-temperament-farbe-und-eierlegen/ |
| Bilder im Text: | |
| 2 Hände: | h_haende-sich-reichen-952×342.jpg (952×342) (horizonworld.de) |
| viele Hände: | Bezieh-LuisLouro-Fotolia.co_.jpg (750×400) (sein.de) |
| Xylophon: | Sabine Kalmer |
| Flügel: | Sabine Kalmer |